{"id":14,"date":"2013-05-07T01:02:04","date_gmt":"2013-05-06T23:02:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/?page_id=14"},"modified":"2015-11-24T02:59:30","modified_gmt":"2015-11-24T00:59:30","slug":"geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/?page_id=14","title":{"rendered":"Geschichte"},"content":{"rendered":"<h1><b>MILDRED seit 1898 unter Segeln<\/b><\/h1>\n<h2><b>Zweimal \u201ewie neu geboren\u201c<\/b><\/h2>\n<p>\u201eMein alter Kater George sitzt mir hier gerade auf dem Schreibtisch gegen\u00fcber, w\u00e4hrend ich diesen Brief schreibe&#8230;\u201c So beginnt die Nachricht eines der zahlreichen Vorbesitzer, die ich im Laufe der letzten Jahre ausfindig gemacht habe, um m\u00f6glichst viel \u00fcber die Geschichte unseres kleinen Gaffelkutters MILDRED herauszufinden. \u201eShip\u2019s Cat George\u201c und sein \u201eKapit\u00e4n\u201c Paul Fowle wohnten sogar ein paar Jahre richtig auf dem kleinen Boot, bis es ihnen dort zu feucht und unbequem wurde und sie sich schlie\u00dflich ein Domizil auf dem Land besorgten. Paul kaufte MILDRED 1975 &#8211; und zu der Zeit lag sie schon drei Jahre (!) auf Grund &#8211; in einem kleinen Hafenkanal in Shoreham an der S\u00fcdk\u00fcste Englands. Der Kaufpreis von nur 350 Pfund (damals etwa 1400 DM) war f\u00fcr den Zustand des \u201eObjekts\u201c sicherlich angemessen! \u201eSie war voll mit Schlick, Aalen und geborstenen Konservendosen, die in den Regalen gestaut waren &#8211; f\u00fcr eine Reise die nie stattfand&#8230;\u201c<\/p>\n<p>Paul Fowle vollbrachte ein wahres Wunder indem er MILDRED heben lie\u00df und sie im Laufe der n\u00e4chsten Zeit wieder vollst\u00e4ndig renovierte. Der Mast &#8211; der heute noch ihr Rigg tr\u00e4gt, sollte eigentlich ein Telegrafenmast werden. Er wurde freundlicherweise von der British Telephone Company gestiftet. Der \u201ealte\u201c Mast, den einer der Vorbesitzer dem Kutter verpasst hatte, war absolut indiskutabel: Er stammte urspr\u00fcnglich von einem hochgetakelten 12 t Hillyard Kutter und war 10 Meter l\u00e4nger als der neue. MILDRED war \u00fcbrigens auch mit dem 20 Meter hohen Mast gaffelgetakelt &#8211; man stelle sich die Segelfl\u00e4che von 1020 Quadratfu\u00df (93,8 qm) vor&#8230;<\/p>\n<p>\u201eGeorge\u201c war \u00fcbrigens immer dabei, auch wenn es ums Segeln ging. MILDRED und ganz besonders ihr Schiffskater waren &#8211; wie Paul es beschreibt: \u201ecolourful characters\u201c in der Hafengegend.<\/p>\n<p>Etwa um das Jahr 1930 herum kam MILDRED mit einem Mr. Northeast nach Shoreham. Dieser war Mitglied im Sussex Yacht Club und segelte sie unter deren Wimpel bis 1964. Er wurde schlie\u00dflich zu alt f\u00fcr den Yachtsport und der kleine Gaffelkutter begann im Schlick an der Hafenpier zu verrotten. Jugendliche Randalierer und andere nette Passanten beschleunigten das Werk. 1965 kaufte der 18 &#8211; j\u00e4hrige Mark Lingard das Wrack und begann eine langj\u00e4hrige Restaurierungsarbeit.<\/p>\n<p>Mark war von Beruf Shorehams einziger Bait Digger (K\u00f6derbuddler). Er grub nach W\u00fcrmern, die er dann an Angler verkaufte. Seine Frau Ruth &#8211; die mir erst k\u00fcrzlich einen Brief aus ihrer jetzigen Heimat in Kanada schickte, arbeitete damals f\u00fcr die ber\u00fchmten \u201eOrton Racing Stables\u201c in der N\u00e4he.<\/p>\n<p>Paul Fowle schreibt \u00fcber MILDRED\u2019s sch\u00f6ne Jahre mit Mark Lingard: \u201eMildred was hostess to countless adventures and goings-on over the years, entertaining famous \u201enames of the day\u201c, those of an oilier persuasion in the Mods and Rocker days and the hippest of the Hippies and beautiful people of the late \u201860s.\u201c<\/p>\n<p>Mark und Ruth wollten eigentlich irgendwann mit MILDRED nach Gibraltar und noch weiter segeln. Daraus wurde aber leider nichts. Sie verkauften das Boot 1971 und segelten andere sch\u00f6ne und auch gr\u00f6\u00dfere Schiffe im Mittelmeer, wo Mark dann 1973 unter mysteri\u00f6sen Umst\u00e4nden ums Leben kam&#8230; und MILDRED verfiel langsam bis Paul Fowle sie dann 1975 kaufte.<\/p>\n<p>Als er sich dann 1983 schweren Herzens von ihr trennte, vermerkte er auf dem Verkaufsangebot: \u201eShip\u2019s Cat George not included in price!\u201c MILDRED ging an Mr. Nigel MacMillan in Brighton, der sie nur f\u00fcr Tagest\u00f6rns benutzte und schlie\u00dflich 1987 \u00fcber einen Makler an uns verkaufte&#8230;<\/p>\n<h2><b>Mildred in \u201eLohn und Brot\u201c<\/b><\/h2>\n<p>MILDRED wurde im Jahre 1898 etwas n\u00f6rdlich von Falmouth an einem kleinen Seitenarm des River Fal, dem \u201eCalenick Creek\u201c gebaut. Die Werft von Stephen Brabyn &#8211; heute ist dort nur noch Wildnis und Strand &#8211; baute dort Schoner und jede Menge kleinere Nutzfahrzeuge. Unter diesem Sammelbegriff liefen damals auch die zum Austernfang bestimmten 20 bis 30 Fu\u00df langen Gaffelkutter, die heute einfach \u201eWorking Boats\u201c genannt werden. Genau genommen aber lief MILDRED als ein \u201eTruro River Oyster Boat\u201c vom Stapel. Verschiedene Reviere brachten unterschiedliche Boote hervor. So sehen die Austernfischer von der Englischen Ostk\u00fcste beispielsweise ganz anders aus: Sie haben ein \u00fcberh\u00e4ngendes Heck, sind schmal, eingedeckt und haben wenig Tiefgang. Vielen hierzulande wird die \u201eBetty Of Colchester\u201c bekannt sein. Sie ist ein solcher Austernkutter &#8211; oder eben eine \u201eOyster Smack\u201c &#8211; von der Ostk\u00fcste mit ihren verzweigten, flachen Flussm\u00fcndungen.<\/p>\n<p>Die Boote vom River Fal und vom Truro River sehen v\u00f6llig anders aus: Nahezu gerader Spiegel, gro\u00dfe offene Plicht, viel Tiefgang und eine ansehnliche Breite. Der Tiefgang muss bei einem Austernfischer so gro\u00df wie m\u00f6glich und auf das Revier abgestimmt sein. Eine gro\u00dfe Lateralfl\u00e4che ist deshalb so wichtig, weil die Boote quer \u00fcber die Austernb\u00e4nke treiben, wenn sie ihre Austernrechen, die \u201eDredges\u201c ausgebracht haben. Je langsamer n\u00e4mlich die Drift, desto gr\u00fcndlicher das Abernten der Bank.<\/p>\n<p>Die \u201eOystermen\u201c sorgen mit ihrer Kenntnis der Str\u00f6mungen sowie je nach Windrichtung mit ausgekl\u00fcgelten Segelstellungen daf\u00fcr, dass der Kutter m\u00f6glichst genau quer \u00fcber die Bank treibt, um entlang des Schanzkleids bis zu drei Dredgen nebeneinander ausbringen zu k\u00f6nnen. Dazu wird meist das Gro\u00dfsegel \u201escandalized\u201c &#8211; die Piek der Gaffel wird sehr weit weggefiert. So wird viel Kraft aus dem Segel genommen. Weiterhin muss der Kl\u00fcver backgeholt werden, damit der Bug nicht in den Wind dreht. Im Grunde ist es so \u00e4hnlich wie beim Beidrehen, nur dass die Fahrt \u00fcber den Vorsteven hier noch viel geringer ausfallen muss, um das m\u00f6gliche Fangergebnis nicht zu verderben.<\/p>\n<p>Ich kann diese \u201eFischereibeschreibung\u201c \u00fcbrigens deshalb in der Gegenwartsform schreiben, weil dort auf dem River Fal und dem gro\u00dfen M\u00fcndungsgew\u00e4sser, den \u201eCarrick Roads\u201c, immer noch nach diesen alten Techniken und nur unter Segeln nach Austern gefischt wird. Zwar ist die aktive Flotte nicht mehr so gro\u00df wie beispielsweise\u00a0 Anfang der 70er Jahre &#8211; damals fischten noch bis zu 30 Boote, aber immerhin kann man heute t\u00e4glich etwa acht bis zehn Boote in den Wintermonaten ( die mit \u201er\u201c) auf den Austernb\u00e4nken z\u00e4hlen. Das \u00e4lteste Boot dieser \u201eaktiven\u201c Flotte, die \u201eMorning Star\u201c aus dem Jahre 1840 (man nimmt sogar ein noch fr\u00fcheres Baujahr an) wurde erst 1980 nach einem Unfall aus der Fischerei genommen.<\/p>\n<p>Die \u201eFalmouth Working Boats\u201c sind also Europaweit die einzige aktive Fischereiflotte, die nur unter Segeln allein fischt! Der Grund f\u00fcr diese einzigartige, Natur- und Best\u00e4nde schonende Praxis liegt in einem lokalen Gesetz von 1868, das den Einsatz von Motoren jeglicher Art auf den Austernb\u00e4nken untersagt. Der R\u00fcckgang der Fischerei hat seine Ursache also nicht in einer effektiveren Bewirtschaftung der B\u00e4nke. Schuld hieran ist eher die allgemeine Umweltverschmutzung und ganz speziell der Befall der Kulturen durch die Krankheit \u201eBonamia\u201c Anfang der 80er Jahre. Die Austerngr\u00fcnde erholen sich erst seit etwa 12 Jahren wieder einigerma\u00dfen von dieser Heimsuchung. Der einst noch so gro\u00dfe, organisierte Markt f\u00fcr die dortigen Austern hat sich nun auf den Direktverkauf an Hotels und Restaurants verlagert. An der Englischen Ostk\u00fcste, wo es kein Gesetz gegen den Gebrauch von Motoren gibt, ist die kommerzielle Austernfischerei schon Ende der 60er Jahre durch \u00dcberfischung regelrecht ausgestorben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen-mildred_02.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-309\" src=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen-mildred_02-500x326.gif\" alt=\"dretschen-mildred_02\" width=\"500\" height=\"326\" srcset=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen-mildred_02-500x326.gif 500w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen-mildred_02-150x98.gif 150w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen-mildred_02-461x300.gif 461w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Saison f\u00fcr das Ernten der Austern geht von September bis Ende April. Zwar wird es in Cornwall in den Wintermonaten nicht wirklich kalt, daf\u00fcr aber sehr st\u00fcrmisch. Das Rigg eines Working Boats auf den B\u00e4nken f\u00e4llt deshalb eher klein aus: Meist wird ein spezielles, kleines Gro\u00dfsegel, kleinere Vorsegel und niemals das Toppsegel gesetzt. Der Segelplan muss aber immer noch so gut sein, dass man m\u00f6glichst schnell zum Beginn einer erneuten Drift \u00fcber die Bank zur\u00fcck kreuzen kann.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen_mildred_01.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-308\" src=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen_mildred_01-500x356.gif\" alt=\"dretschen_mildred_01\" width=\"500\" height=\"356\" srcset=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen_mildred_01-500x356.gif 500w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen_mildred_01-150x107.gif 150w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/dretschen_mildred_01-421x300.gif 421w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><\/p>\n<h2><b>Die Schwestern<\/b><\/h2>\n<p>Ein Working Boat in den Sommermonaten sieht dagegen v\u00f6llig anders aus. Die in den 70er Jahren zum Zweck der Erhaltung der Boote als besondere Klasse gegr\u00fcndete \u201eFalmouth Working Boat Association\u201c erlaubt eine Regattabesegelung von 1000 Quadratfu\u00df, was etwa 92 qm entspricht. Das ist eine enorme Fl\u00e4che &#8211; wenn man beispielsweise die 76 qm Segelfl\u00e4che unserer MILDRED im Vergleich dazu sieht, die ja auch nicht gerade einen untertakelten Eindruck macht. Au\u00dferdem ist die \u201eRacing Fleet\u201c auch zahlenm\u00e4\u00dfig um einiges gr\u00f6\u00dfer als die noch aktive Fischereiflotte, weil viele Privatpersonen aus allen m\u00f6glichen Berufen sich ein Boot zugelegt haben, um an den hei\u00dfen und ber\u00fcchtigten Regatten der Working Boats teilnehmen zu k\u00f6nnen. Darauf, dass hier niemand seinen \u201eRenner\u201c nach der Dicke seiner Brieftasche ausr\u00fcsten kann und somit das \u201eCheque Book Racing\u201c anderer Klassen gar nicht erst aufkommt, achtet die Vereinigung der Working Boats mit Argusaugen. Die Liste der Regeln und Einschr\u00e4nkungen ist recht lang &#8211; bestimmt l\u00e4nger als bei jeder anderen Regattaklasse die aus klassischen Schiffen besteht.<\/p>\n<p>MILDRED\u2019s direktes Schwesterschiff, die WINNIE, ist genau so ein typisches Beispiel f\u00fcr die Regattaklasse der Working Boats. Sie wird nur f\u00fcr die Rennen genutzt und hat seit Ende der 70er Jahre keine Auster mehr von den B\u00e4nken gekratzt. Zu ihren Eignern Jeff Martin und Arthur Williams haben wir einen guten und herzlichen Kontakt, der sich in vielen Besuchen \u00e4u\u00dfert. Ob nun WINNIE oder MILDRED zuerst auf der Werft fertig geworden ist, kann man nicht eindeutig kl\u00e4ren. Arthur Williams glaubt aber, dass es seine WINNIE war &#8211; dann hatten sie wohl noch ein paar Holzreste f\u00fcr den Bau der MILDRED \u00fcbrig&#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_317\" style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/WINNIE2001.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-317\" class=\"wp-image-317 size-full\" src=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/WINNIE2001.jpg\" alt=\"WINNIE2001\" width=\"500\" height=\"339\" srcset=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/WINNIE2001.jpg 500w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/WINNIE2001-150x102.jpg 150w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/WINNIE2001-442x300.jpg 442w\" sizes=\"(max-width: 500px) 100vw, 500px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-317\" class=\"wp-caption-text\">Winni 2001<\/p><\/div>\n<p>Ende der 60er Jahre wurden aus reinen Kostengr\u00fcnden und wegen gro\u00dfer Nachfrage die ersten Kunststoff &#8211; Arbeitsboote f\u00fcr die Fischerei gebaut. Sie entsprechen rein \u00e4u\u00dferlich nahezu genau ihren h\u00f6lzernen Kolleginnen &#8211; sie haben allerdings, bedingt durch den leichteren Baustoff einen wesentlich tiefer &#8211; und damit g\u00fcnstiger liegenden Schwerpunkt. F\u00fcr die Regattaflotte ist bei diesen Booten aber ebenfalls interner Ballast und ein Limit f\u00fcr den Ballast im Kiel festgelegt. Dass hier gut kontrolliert wird und die Regeln sinnvoll sind beweist sich darin, dass oft die h\u00f6lzernen Schwestern als Gewinner der zahlreichen Regatten (drei bis vier pro Woche) hervorgehen. Es fahren noch etwa 15 Holzboote gegen\u00fcber ungef\u00e4hr 25 Working Boats aus GFK.<\/p>\n<p>Wer einmal bei einer Regatta auf solch einem Austernfischer mitfahren durfte, wird das Erlebnis wohl lange Zeit nicht vergessen k\u00f6nnen. Die Boote verhalten sich in etwa wie gro\u00dfe, schwere Jollen. Dieser Eindruck r\u00fchrt wahrscheinlich am meisten von der gro\u00dfen, tiefen Plicht her, die von dem sehr schmalen Achterdeck bis hin zum Mast reicht. Die Mannschaft von sechs bis acht Leuten tritt sich hier selten auf die F\u00fc\u00dfe. Die S\u00fcllkante der Plicht liegt wenn man steht etwa auf G\u00fcrtelh\u00f6he &#8211; man ist der Wasseroberfl\u00e4che also sehr nah, was alle Eindr\u00fccke des segelnden Bootes noch intensiver wirken l\u00e4sst. W\u00e4hrend des Rennens kennen Skipper und Mannschaft offenbar keine Gnade. Regeln werden bis an die Grenzen ausgenutzt und Verst\u00f6\u00dfe gegen diese peinlich genau beobachtet. Dabei w\u00fcrde niemand den Protestwimpel setzen &#8211; vielmehr kommt es sp\u00e4ter an Land zu lautstarken Diskussionen und hin und wieder wird ein schwaches Argument durch einen starken Arm aufgewertet. Auch w\u00e4hrend der Regatta kann es zu solchen \u201eNettigkeiten\u201c kommen. Es ist kaum zu glauben, aber einmal sprang ein Mannschaftsmitglied im g\u00fcnstigsten Moment auf einen Konkurrenten \u00fcber, um dort einen Kinnhaken loszuwerden und sofort wieder \u00fcber die Kante in das sichere Hafenwasser zu springen!<\/p>\n<h2><b>Verborgene Geschichte<\/b><\/h2>\n<p>\u00dcber MILDRED\u2019s erste Zeit als aktive Austernfischerin und Regattaboot gibt es keine genaueren Aufzeichnungen oder Berichte. Nur soviel ist bekannt: Sie wurde damals von Ernest und William Thomas Gray in Auftrag gegeben, und den Namen erhielt sie nach deren h\u00fcbscher Schwester Mildred. Die beiden fischten mit ihrem neuen Boot nur bis zum Jahre 1906 nach Austern und verkauften es dann an einen anderen Fischer in Falmouth, der es offenbar bis etwa 1930 in Besitz behielt. Ein Feuer im Stadtarchiv der Bezirkshauptstadt Truro vernichtete in den 20er Jahren viel wichtiges Material \u00fcber etliche Boote und Vorg\u00e4nge in der Fischerei, so dass leider nicht einmal mehr MILDRED\u2019s Fischereinummer bekannt ist. Die Familien, die das Boot besessen haben sind au\u00dferdem allesamt aus der Gegend verschwunden&#8230;<\/p>\n<h2><b>Eine neue Heimat<\/b><\/h2>\n<p>Als mein Bruder und ich MILDRED im Januar 1987 zuerst im Seebad Brighton besichtigten, war es schon dunkler Abend, und wir krabbelten mit einer Taschenlampe bewaffnet herum, um vielleicht irgend etwas zu finden, was uns vom Kauf des Kutters abhalten k\u00f6nnte. Uns h\u00e4tten wahrscheinlich sogar die W\u00fcrmer entgegen grinsen k\u00f6nnen &#8211; wir waren n\u00e4mlich sofort in das Boot verliebt und allein die Tatsache, dass es aus eigener Kraft schwamm reichte uns vollends aus!<\/p>\n<p>Ganz aufgeregt riefen wir den Eigner am n\u00e4chsten Morgen vom Bahnhof aus an und machten unser Angebot. Ich habe wegen des L\u00e4rms in der Halle nicht genau verstehen k\u00f6nnen was er sagte &#8211; au\u00dfer dem entscheidenden \u201eYes, Sir\u201c<\/p>\n<p>Das alles passierte im Januar und schon zu Ostern reisten wir zu sechst in Brighton an, um unser Traumboot nach Hause zu holen. Einige Tage Basteln, Besorgen und dergleichen &#8211; und dann ging es los. Es wurde ein kalter, aber \u00fcberwiegend sonniger T\u00f6rn mit ganz viel Gegenwind &#8211; was \u00fcbrigens MILDRED\u2019s ganz privates \u201eGl\u00fcck\u201c zu sein scheint&#8230; Nebel hatten wir gl\u00fccklicherweise auch nicht zu viel. Als wir Brighton verlassen wollten und den Hafenmeister nach den eventuellen Launen des gerade herrschenden dichten Nebels befragten, antwortete dieser: \u201eOh, I\u2019m sorry I really can\u2019t say a thing about it &#8211; it\u2019s french fog!\u201c<\/p>\n<p>Nach 12 Tagen mit viel Motoren und wenig Schlaf erreichten wir dann endlich Brunsb\u00fcttel und brachten MILDRED durch den Kanal nach Kiel. Wir veranstalteten kurz darauf eine Taufparty, auf der wir unseren Kutter in \u201eTURF\u201c umbenannten. Das war uns schon kurz nach dem Kauf klar &#8211; wir fanden \u201eMildred\u201c ist ein bl\u00f6der Name und dachten TURF passte besser zu einigen modrigen H\u00f6lzern, die man in und an ihr finden konnte.<\/p>\n<p>Wir wussten damals noch nicht, dass wir ein original Falmouth Working Boat gekauft hatten. Was es mit dem Bootstyp selbst auf sich hat, war uns ebenfalls v\u00f6llig unbekannt. Darauf machte uns dann ein D\u00e4ne w\u00e4hrend eines Segelurlaubs 1988 aufmerksam. Seit dem habe ich unz\u00e4hlige Briefe verschickt &#8211; auf die ich meist auch eine Antwort erhielt. So konnte ich hier zumindest einen groben, mit einigen L\u00fccken versehenen Lebenslauf unseres Kutters nachzeichnen. Vielleicht m\u00f6chten wir auch gar nicht so genau wissen, wie oft MILDRED noch nach ihrem Ausscheiden aus der Fischerei und vor dem \u201eVerh\u00e4ltnis\u201c mit Mr. Northeast irgendwo im Hafenschlick vor sich hin gammelte&#8230;<\/p>\n<div id=\"attachment_313\" style=\"width: 810px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-313\" class=\"wp-image-313 size-full\" src=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988.jpg\" alt=\"mildred-gutachten1988\" width=\"800\" height=\"998\" srcset=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988.jpg 800w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988-120x150.jpg 120w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988-401x500.jpg 401w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/mildred-gutachten1988-240x300.jpg 240w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-313\" class=\"wp-caption-text\">MILDRED (hier noch TURF) aus dem Gutachten 1988<\/p><\/div>\n<p>In den ersten vier Jahren, die MILDRED dann an der Kieler F\u00f6rde beheimatet war, erneuerten wir Deck, Schanzkleid, Kaj\u00fctdach (der Kaj\u00fctaufbau selbst d\u00fcrfte etwa 1930 entstanden sein), Gaffel, Kl\u00fcverbaum, ein paar Spanten und auch den kompletten Innenausbau. Dabei sorgten wir aber daf\u00fcr, dass \u00fcber die Sommer stets alles soweit f\u00fcr die Urlaubst\u00f6rns klar war. TURF unternahm mit uns eine lange Reihe ausgedehnter und interessanter Reisen auf Ost &#8211; und Nordsee. Zweimal schon besuchte sie dabei ihre alte Heimat in Falmouth, wo sie jedes Mal sehr herzlich empfangen wurde. Nach dem ersten Besuch dort im Jahre 1990 wurde sie aber wieder in MILDRED umbenannt, nachdem uns durch die vielen Recherchen um ihre Geschichte klar geworden war, dass sie schon immer diesen Namen getragen hatte. So konnten wir auch viele Freunde in Falmouth wieder beruhigen, die sich (und uns) immer wieder fragten, was der Name \u201eTurf\u201c wohl eigentlich bedeuten soll&#8230;<\/p>\n<p><em>Andreas K\u00f6pke<\/em><\/p>\n<div id=\"attachment_315\" style=\"width: 631px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-315\" class=\"wp-image-315 size-full\" src=\"http:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992.jpg\" alt=\"TURF_Flensburg1992\" width=\"621\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992.jpg 621w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992-150x116.jpg 150w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992-500x386.jpg 500w, https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/TURF_Flensburg1992-388x300.jpg 388w\" sizes=\"(max-width: 621px) 100vw, 621px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-315\" class=\"wp-caption-text\">MILDRED (hier noch TURF) auf der Rumregatta 1992<\/p><\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>MILDRED seit 1898 unter Segeln Zweimal \u201ewie neu geboren\u201c \u201eMein alter Kater George sitzt mir hier gerade auf dem Schreibtisch gegen\u00fcber, w\u00e4hrend ich diesen Brief schreibe&#8230;\u201c So beginnt die Nachricht eines der zahlreichen Vorbesitzer, die ich im Laufe der letzten &hellip; <a href=\"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/?page_id=14\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":16,"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/14\/revisions\/16"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mildred.de\/workingboat\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}